Ratgeber: „Hallo Welt, ich bin wütend!“ – Wutausbrüche bei Kindern

14. Januar 2020

Kratzen, stampfen, beißen – Diese und ähnliche Verhaltensweisen bei Kindern sind für Eltern oft normaler Familienalltag und treiben sie häufig an den Rand des Wahnsinns. In solchen Situationen müssen Eltern vor allem ruhig, geduldig und achtsam bleiben. Keine leichte Aufgabe – Das stimmt! Hilflosigkeit, Unsicherheit und Verzweiflung machen sich bei Eltern bemerkbar. „Ich kann nicht mehr. Was soll ich nur tun?“ heißt es oft. Die Gefühle wechseln einander ab. Eltern fühlen sich überfordert und möchten doch eigentlich nur das Beste für das Kind. Wieso brüllt und schlägt es? Was fehlt meinem Kind? Ratschläge wie „Lass sie/ihn brüllen, sie/er beruhigt sich schon.“ helfen hier nicht weiter. Ein solcher Ratschlag kann dazu führen, dass sich das Kind mit seinem „Problem“ allein gelassen fühlt und unverstanden. Die Folgen wären gravierend für ihre Persönlichkeitsentwicklung. Vor allem jüngere Kinder sind in den ersten drei Lebensjahren auf die Unterstützung von Eltern, während der emotionalen Entwicklung, angewiesen. Wichtig ist also die Ursache für das Verhalten des Kindes zu finden und ein Verständnis für ihre Gefühle aufzubauen. Aber auch für Eltern ist es ein Lernprozess, denn nicht jeder kann von Beginn an mit einer ordentlichen Portion Engelsgeduld und starken Nerven dienen. Fazit: Kinder und ihre Eltern durchlaufen eine gemeinsame Entwicklung, die Zeit und Unterstützung benötigt.

Wieso schreit, schlägt und kratzt mein Kind? Was kann ich dagegen tun?

Die Ursachen für Wutanfälle bei Kindern sind vielfältig. Wichtig ist, dass man versucht herauszufinden, weshalb das Kind nicht gerade anders kann, als zu brüllen, zu schlagen oder zu stampfen. Wut ist ein Gefühl, das Raum benötigt. Kinder sollten ihre Wut zeigen dürfen, denn es ist ein Teil ihrer mentalen Entwicklung. Durchaus gibt es auch Wutformen, die nicht „normal“ sind, weshalb man dann Hilfe von außen annehmen sollte. Wut gehört zu unserem Leben wie Freude oder auch Angst. Wir drücken durch sie unseren aktuellen (emotionalen) Zustand aus. Das ist wichtig. Allerdings wissen Erwachsene oftmals mit ihnen umzugehen und können Situationen besser einschätzen. Kinder hingegen werden von Gefühlen förmlich überrollt. Sie können Gefühle noch nicht einordnen und fühlen sich selbst damit überfordert. Die mentale Entwicklung von Kindern ist lange noch nicht abgeschlossen. Das bedeutet: Ein Wechselbad der Gefühle, alles steht Kopf.

Wir Erwachsene sehen uns daher in der Pflicht als Motor zu agieren, die Gefühlsentwicklung unseres Kindes zu unterstützen und die Ursache für das „Fehlverhalten“ zu finden. Mögliche Gründe für Wutausbrüche bei Kindern können sein:

1. Den eigenen Willen durchsetzen / Mehr Autonomie erlangen

Kinder schlüpfen hierfür in diverse Verhaltensrollen, um Grenzen, insbesondere die der Eltern, zu testen. Mit welchem Verhalten kann das Kind seinen Willen bestmöglich durchsetzen? Mit aggressivem Verhalten wie schlagen, mit den Füßen stampfen und schreien, wollen sie genau jetzt (und das verlangen Kinder immer) ihr Ziel erreichen und setzen Eltern so unter Druck. Hier sind konsequentes Handeln und klare Regeln gefragt. Eltern müssen nicht jedes Fehlverhalten einfach so hinnehmen. Wichtig ist dabei, dass man auf das Kind eingeht, Verständnis zeigt, aber auch klar die Grenzen schildert, sodass sie sich schnell an die Regeln gewöhnen. Nur so können die Auswirkungen von Wutausbrüchen gemildert werden.

2. Die Aufmerksamkeit der Eltern (zurück) gewinnen

“Hallo Mama, hallo Papa! Hier bin ich!“ Genau das drücken Kinder durch ihre meist aggressive Verhaltensweise aus. Sie möchten gehört, gesehen, wahrgenommen werden und die volle Aufmerksamkeit der Eltern erhalten. Wir merken oft nicht, dass uns die Zeit davon rennt. Wir haben lange To-do-Listen für den Tag und verlieren uns manchmal dabei. Da bleibt wenig Zeit für die Bedürfnisse des Kindes. In solchen Fällen sind die oben beschriebenen Verhaltensweisen des Kindes ein Warnsignal, dass wir nicht nur reagieren, sondern agieren müssen, um wieder eine gewisse Balance in den Alltag zu integrieren.

3. Das Kind ist aufgrund einer erlebten Situation (im Kindergarten, in der Schule, bei Freunden) verärgert und/oder traurig.

Kinder erleben Situationen anders als wir Erwachsene. Häufig sind es für uns „Kleinigkeiten“, weshalb unser Kind verärgert oder traurig reagiert. Sie wissen noch nicht, wie man mit diversen Situationen umgeht und reagieren mit Wut oder Aggression, um das Erlebte zu verarbeiten. Hier sollte man allerdings genau auf diese „Kleinigkeit“, die unser Kind verärgert oder traurig macht, eingehen. Was für uns klein erscheint, ist für Kinder riesengroß. Wir sind ihr Fels in der Brandung und sollten uns als mitfühlende Helfer bemerkbar machen. Denn es könnten diesmal keine „Kleinigkeiten“ sein, sondern tiefliegende Konflikte, die Kinder durchmachen und gerade dann ist es eminent wichtig darauf zu reagieren und sich gegebenenfalls auch professionelle Hilfe zu suchen. Oft verarbeiten Kinder außerhalb der Trotzphase (zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr) erlebte Krisen in Form von Wutausbrüchen. Dazu zählen Krisen in der Familie, Trennungen, Umzüge oder andere prägende Erlebnisse, die ein Kind nicht alleine emotional bewältigen kann. Mit Ruhe, Mitgefühl und intensiven Therapien, lassen sich solche Wutausbrüche und Situationen allerdings gut behandeln.

Des Weiteren können Übermüdung, Reizüberflutung, aber auch Bewegungsmangel Gründe für ein aggressives Verhalten bei Kindern sein.

Am allerwichtigsten: Wir Erwachsene sollten mitfühlend und helfend zur Seite stehen, damit der Konflikt des Kindes gelöst werden kann. Offen über den Grund zu sprechen, weshalb so emotional reagiert wird, hilft ungemein. Gemeinsam wird dann nach einer Lösung gesucht. Auch wenn es sich hierbei um „Kleinigkeiten“ handelt, Eltern zeigen ihren Kindern, dass sie wichtig sind und vor allem ernst genommen werden. Nur so unterstützen Eltern ihre Kinder auf dem Weg der sozialen Entwicklung und helfen ihnen, mit ganz starken Gefühlen umzugehen und diese besser einzuordnen.